Geschichte der Zauberkunst

Die Geschichte der Zauberkunst kann man in drei Epochen gliedern:
Die Zeit bis zum Beginn des Mittelalters, das Mittelalter und die Blüte der Gaukler und der Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute. Die komplette Geschichte der Zauberkunst darzustellen würde den Rahmen hier sprengen, aber eine kurzgefasste Übersicht mit den wichtigsten Ereignissen möchte ich erwähnen.

Begonnen hat es mit altorientalischer Priestermagie. Die Priester der damaligen Zeit waren Wissenschaftler, Ärzte und Naturforscher und sie benutzten ab und zu Tricks und Täuschungen, um ihr Amt zu bestätigen und das Vorhandensein von höheren Mächten zu beweisen. Eine Tür öffnete sich selbständig oder andere “Wunder” geschahen. Es gab aber auch die Zauberkunst, die zur Unterhaltung der Zuschauer ausgeübt wurde. Das älteste Dokument, das Westcar Papyrus, berichtete von einem Zauberkünstler mit Namen Dedi, der am Hofe von König Cheops eine Vorstellung gab. Er schlug z.B. einer Gans den Kopf ab und zauberte ihn wieder dran.
Auch gab es schon die Seiltänzer, Jongleure und Akrobaten, die als wanderndes Volk durch die Lande zog. Bei Festen der Reichen oder auf Märkten und Volksfesten zeigten sie ihr Können. Der soziale Stand war sehr niedrig, fast wie ein Sklave.
Die ersten Gaukler kamen über das römische Reich nach Deutschland, ihre ersten Kunststücke waren das Becherspiel und Enthauptungstricks.

Die Gaukler des Mittelalters und der Neuzeit gaben zu, keine Wunder zu vollbringen, sondern das alles mit rechten Mitteln zuging, das war auch lebensnotwendig, denn man konnte schnell auf den Scheiterhaufen geworfen werden, wenn ein Pakt mit dem Teufel vermutet wurde. Der Engländer Reginald Scott veröffentlichte 1584 aus diesem Grund das Buch “Discoverie of Witchcraft”, das erste Buch, indem Zaubertricks erklärt wurden. Er bewies, das alles mit rechten Dingen zuging und kein Teufel im Spiel ist.
Die Gaukler zogen weiterhin als Seiltänzer, Feuerfresser, Wahrsager oder Wettermache durch die Lande und verkauften auch angebliche Heil- und Schönheitsmittel. Erst nach dem dreißigjährigen Krieg wird in der Zauberkunst ein gewisser Fortschritt bemerkbar.
Zu erwähnen wären:
Joseph Fröhlich (1694-1763), er war Hofnarr und Hoftaschenspieler am Hofe von August dem Starken.
Philadelphia (Jakob Meyer, 1735-1795) als erster führte er auf der Bühne mit einer Laterna Magica, Geistererscheinungen vor.
Pinetti (1750-1800) er bereiste ganz Europa und erwarb sich dabei ein ansehnliches Vermögen, er war einer der ersten der Hellsehkuntstücke vorführte. Seine Frau war ein Medium, die erkannte, welche Gegenstände er in der Hand hielt, obwohl sie die Gegenstände nicht sehen konnte.

Die dritte Epoche der Zauberkunst fängt mit dem 19. Jahrhundert an. Die Zauberkünstler begannen wirkliche Kunst zu betreiben und legten alles ab, was mit Scharlatanerie zu tun hat. Es folgt nun eine kurze Beschreibung von bedeutenden Zauberkünstler, die diese Epoche entscheidend beeinflussten.
Bartholomeo Bosco (1793-1863) wurde als Soldat von Napoleons Heer von den Russen gefangen und nach Sibirien verbannt. Dort entdeckte er die Zauberkunst und begann nach seine Entlassung als Zauberkünstler durch Länder Europas zu ziehen. Er war ein Salonmagier und sein stärkstes Kunststück war das Becherspiel, das er mit grandioser Geschicklichkeit vorführte.
In Wien hatte Ludwig Döbler (1801-1864) seine größten Erfolge. Sein erfolgreichstes Kunststück war die Produktion zahlreicher kleiner Blumensträusse aus dem Hut.
Der Uhrmacher Jean Eugene Robert-Houdin (1805-1871) trat als erster Zauberkünstler im einfachen Abendanzug auf und verzichtete auf unnötige Vorhänge und tief verhangene Tische. Er gründete in Paris sein eigenes Zaubertheater, das noch nach seinem Tode weiter existierte. Er war das große Vorbild für nachfolgende Künstler.
Der größte Kartenkünstler der Welt wird auch heute noch Johann Nepomuk Hofzinser (1806-1875) bezeichnet. Er entwickelte die Kartenzauberei zu einer wirklichen Kunst. Er zauberte über 40 Jahre in den gesellschaftlichen Kreisen Wiens.
Der bekannteste Zauberkünstler in Deutschland war Samuel Bellachini (1828-1885). Er war zwar kein besonders großer Künstler, sondern der Volkszauberer. Die deutsche Sprache beherrschte er nicht sonderlich gut, aber in seinen Vorstellungen brachte er viele derbe Späße zur Belustigung der Zuschauer. Er besaß immer die Neusten und Besten Zauberapparate und wusste wie man durch Werbung die Leute neugierig machte.
Der Schauspieler Max Auzinger wurde zu Ben Ali Bey (1839-1928). Er entdeckte, das sich schwarz vor einem schwarzem Hintergrund nicht abhebt. Daraufhin schuf er sein “Schwarzes Kabinett”, indem er die unwahrscheinlichsten Effekte erzielte. Er reiste mit seiner Schau “Indischer und Ägyptischer Wunder” um die Welt. Heute wird das schwarze Kabinett in der Zauberkunst nicht mehr angewandt, aber als “Schwarzes Theater” in Verbindung mit Pantomime und Tanzelementen wird es noch als eigenständige Kunstgattung vorgeführt.
Einer der  ersten Varietezauberer war Theo Bamberg (1875-1963) er nannte sich Okito und trat im chinesischen Kostüm auf und seine Darbietungen wurden von Musik begleitet. Berühmt wurde er durch die schwebende Kugel.
Aus Frankreich kam Buatier de Kolta (1848-1903), er erfand viele Illusionen, z.B. den verschwindenden Vogelkäfig. Er war der Erste, der die sich vermehrenden Billardkugeln vorführte.
Der erste Manipulator war Wiljalba Frickell (1818-1903), er zauberte auf einer leeren Bühne und hatte keine kostspieligen Apparte. Im Mittelpunkt stand bei ihm der Mensch mit seiner Rednergabe und Fingerfertigkeit.
Er befreite sich von Handschellen, Fesseln und aus vernagelten Kisten, selbst eine Gefängniszelle konnte ihn nicht halten, die Rede ist vom größten Entfesslungskünstler Harry Houdini (1874-1926). Er führte auch großartige Zauberkunststücke vor und half der Polizei, Betrüger zu entlarven. In der Kongreßbücherei in Washington befindet sich seine Sammlung von magischen Büchern und Drucksachen.
 

Von den Zauberkünstlern des 20. Jahrhunderts will ich nur ein paar wenige erwähnen, die Anzahl ist wirklich sehr groß. Der aus den USA stammende Nelson Downs (1876-1938) war auf nur einem Gebiet Spezialist, er zauberte nur mit Münzen und bekam daher den Namen “Münzenkönig”. Er schuf alle Kunstgriffe selbst, die heute noch als Grundlage für alle Münzenzauberer sind.
Der deutsche Zauberkünstler Cortini (1890-1954) war eine seine Nachfolger, seine Bühne war mit Münzen dekoriert.
John Olms (1880-1955) war auch ein Spezialist. Er zauberte mit Uhren und seine Bühne war mit Uhren geschmückt, daher wurde er “Uhrenkönig” genannt.
Conradi Horster (1870-1944) war zuerst Berufsmagier und eröffnete später in Berlin ein Zauberfachgeschäft, das noch heute existiert. Er war auch Autor von unzähligen Werken.
Ein weiterer Fachschriftsteller und Fachhändler war Carl Willmann (1849-1934) er lebte in Hamburg.
Er bereiste mit einer großen Illusionsschau ganz Europa und ließ sogar einen Elefanten auf der Bühne verschwinden, die Rede ist von Alois Kassner (1887-1970)
Der genaue Gegenteil war Fredo Marvelli (1903-1971) er zauberte fast ohne Apparate und seine berühmten Kunststücke waren, der Fang brennender Zigaretten und das schwebende im dunklen leuchtende Seil.
Dai Vernon (1894-1992) er erzielte mit kleinsten Mitteln große Erfolge, seine Griffe und Handbewegungen waren genau durchdacht und einstudiert, er war spezialist für die Kartenzauberei und das Zaubern am Tisch (Close-up).
Dr. Helmut Schreiber (1903-1963) bekannt als Kalanag reiste mit seiner Shau durch die ganze Welt. Seine Revue war für die damalige Zeit einmalig, da verschwand z. B. ein Auto auf hellerleuchtender Bühne. Bei seinem Programm wirkten 80 Personen mit.

Amateure und Zauberkünstler schlossen sich in Deutschland im Jahre 1912 in Hamburg zum “Magischen Zirkel” zusammen. Diesem Dachverband haben sich viele Ortszirkel in Deutschland angeschlossen. Die monatlich erscheinende Fachzeitschrift “Magie” erhält jedes Mitglied des MZvD (Magischer Zirkel von Deutschland). Auch viele Einzelmitglieder aus Deutschland und der ganzen Welt sind Mitglied im MZvD. Erst nach bestandener Aufnahmeprüfung, die von drei Prüfern abgenommen wird, wird man Mitglied. Die Prüfung besteht aus mehreren Teilen, von der Geschichte bis zu verschiedenen Techniken wird alles geprüft, zum Abschluß muß der Prüfling noch ein ca. 10 Min. Programm vorführen, das ebenfalls in die Bewertung einfließt.

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